Ursprung von Halloween und Totenfeste weltweit

Ursprung von Halloween und Totenfeste weltweit
20. September 2020 Vooja

Zuletzt geupdatet am 19. Oktober 2020 durch Vooja

Es ist faszinierend, dass unterschiedliche Kulturen unabhängig voneinander sehr ähnliche Totenfeste feiern und auf allen Kontinenten die Vorstellung geteilt wird, dass die Grenzen der Welt der Toten und der Lebenden zu bestimmten Zeiten offen sind. Wo liegt der Ursprung von Halloween und vielen anderen uralten Totenfesten der Welt? Welche Überschneidungen von Taditionen und welche Unterschiede gibt es? Wir geben einen Überblick über die Totenfeste und ihre Zusammenhänge weltweit.

Ursprung von Halloween und weitere europäische Totenfeste

Ursprung von Halloween: Keltisches Totenfest Samhain

Der Usprung von Halloween wird den Kelten zugeschrieben, nachweislich war die Tradition bereits lange vor der Christianisierung im 8. Jahrhundert in Irland, Schottland und Wales bekannt. Die Bezeichnung „Halloween“ geht auf „All Hallows‘ Eve“ (Vorabend von Allerheiligen) zurück und stammt aus der Zeit der Synkretisierung: Der Zusammenlegung des katholischen Totenfest Allerheiligen und dem okkulten Brauchtum der keltischen Kultur.

Der schottische Antropologe Sir James Frazer bezeichnet Halloween in The Golden Bough, einer wissenschaftlichen Vergleichsstudie über Mystik und Religion als „altes heidnisches Totenfest mit einer dünnen christlichen Hülle“. Gefeiert wurde das ursprüngliche „Samhain“ (altirisch: Sommerende) oder „Calan Gaeaf“ (walisisch für Erster Wintertag) als Übergang zur Gezeitenwenden von Sommer und Winter. Der November als Beginn der dunklen Jahreszeit galt im keltischen Kalender außerdem als Beginn des neuen Jahres.

Während dieser besonderen Zeitenwende, glaubte man, dass sich Jenseits und Diesseits überschneiden und die Grenzen kurzzeitig aufgehoben sind. So konnten Geister und Verstorbene mit den Lebenenden in Kontakt treten. Vor allem war der Glaube verbeitet, dass die Seelen der Toten in der Nacht von 31. Oktober zum 01. November nach Hause zurückkehren. Um die Seelen zu leiten, wurden große Feuer, sogenannte Bonfires (Knochenfeuer von Schlachtvieh), angezündet. Man hieß die Verstorbenen respektvoll zuhause willkommen, entzündete Kerzen und bot ihnen einen Platz am Esstisch sowie Speisen und Getränke. Dies diente auch dazu, sie wohlwollend zu stimmen und zu besänftigen. Oft wurden auch Ernteopfer für die Aos Sí, die Geister, auf Dorfplätzen bereitgestellt.

Die verschwimmende Grenze zwischen Diesseits und Jenseits wurde ebenso für Wahrsagerei genutzt: Rituale, die die Zukunft vorhersagen sollen, vor allem in Bezug auf Tod, Geburt, Wohlstand und Liebe waren üblich. Auch Träumen wurden in dieser Nacht eine besondere Bedeutung beigemessen.

Im christlichen Mittelalter wurde es Brauch, sogenannte Seelenkuchen als Opfergabe für die Geister an Halloween zu backen. Spätestens im 16. Jahrhundert war es üblich geworden, dass vor allem Gruppen armer Kinder als Geister verkleidet von Tür zu Tür zogen, um ihm Gegenzug für Seelenkuchen Gebete für die Verstorbenen aufzusagen und Lieder und Verse zu rezitieren. Eine großherzige Gabe sollte dem Haushalt Glück bringen, die Verweigerung hingegen Unglück. Ab spätestens dem 18. Jahrhundert war es Brauch, bei Verweigerung eines Almosens zusätzlich Streiche zu spielen. Der Vorläufer des noch heute in den USA bekannten Trick or Treat (Süßes sonst gibts Saures) war entstanden.

Durch die irischen Migranten gelangte die Tradition von Halloween schließlich in die USA, wo sich das einstige Totenfest immer weiter kommerzialisierte.

Totensonntag und Allerseelen: Christliches Totenfest

Jährliche Gedenktage für Verstorbene gab es bereits im antiken Christentum.

Ab 835 wurde das christliche Allerheiligen (ein Fest zu Ehren der durch die frühe Kirche Heiliggesprochenen und zuvor am Freitag nach Ostern gefeiert) auf den 1. November gelegt, das mit dem pupulären keltischen Samhain zusammenfiel und diesem den heue üblichen Namen Halloween  (“All Hallows‘ Eve“, Vorabend von Allerheiligen) einbrachte. Am 2. November gab es mit Allerseelen zusätzlich einen offiziellen Kirchengedenktag für alle Verstorbenen, die nach katholischem Verständnis noch nicht zu Gott aufgestiegen sind, sondern sich in einer Art Zwischenwelt (Purgatorium) befinden.

Im Volksglauben wurde angenommen, dass die Seelen frisch Verstorbenener bis Allerheiligen über die Erde wanderten, und Allerheiligenabend den Toten eine letzte Chance bietet, sich an ihren Feinden zu rächen, bevor sie in die nächste Welt hinübergehen. Besänftigungen durch Opfergaben waren erforderlich, aber auch Verkleidungen konnten nach Rache trachtende Verstorbene täuschen und so den Lebenden Sicherheit vor jenseitigen Angriffen bieten.

Neben den Kelten glaubten auch weitere europäischen Völker, dass die Seelen der Verstorbenen an Allerseelen vom Jenseits ins Diesseits hinübertreten und sich für kurze Zeit in der Welt der Lebenden ausruhen. In vielen Gegenden Deutschlands und Österreichs wurden spezielle Gebäcke wie Gebildebrote oder Allerseelenbrote (ähnlich wie die irischen Seelenkuchen) angefertigt. Diese Speisen wurden den Seelen und Geistern mit Kerzen an besonderen Plätzen, meist ihren Gräbern, hinterlegt. In Frankreich beteten christliche Familien  bei den Gräbern ihrer geliebten Ahnen und boten ihnen Opfeteller mit frischer Milch an. In Italien hielten Familien große Festmahle für die Geister der Verstorbenen ab. Auch in Spanien wurden spezielle Speisen zubereitet, bekannt als Huesos de Santo, die bis heute auf den Gräbern innerhalb der Friedhofsmauern hinterlegt werden.

Auch Wahrsagen war in den Nächten des christlich geprägten Allerheiligen bis Allerseelen (und zuvor ebenso im germanisch heidnischen Glauben) üblich: Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens schreibt: „Man kann am Allerheiligentage erfahren, was für ein Winter werden und wie sich die Zukunft – namentlich in Liebesangelegenheiten – gestalten wird. Die an Allerheiligen (wie die am Christtag und in den Zwölften) Geborenen können Geister sehen.“

Totenfeste in aller Welt: Faszinierende Gemeinsamkeiten

Totenfeste schlagen die Brücke zwischen Diesseits und Jenseits in allen Kulturen weltweit.

Europäische Totenfeste wie Halloween weisen große Parallelen zu Traditionen im asiatischen wie auch im mesoamerikanischen Kulturraum auf.

Der Mensch an sich scheint seit jeher das immanente Bedürfnis zu teilen, die Ahnen zu ehren und mit ihnen in Kontakt zu treten. Auffällig ist, dass die Mehrzahl der uspünglichen Totenfeste auf allen Kontinenten im Juli/August oder Oktober/November stattfinden.

Auch die Bräuche ähneln sich stark: Überall auf der Welt werden die Toten durch süße Speiseopfer im Diesseits willkommen geheißen. Frisch Verstorbene im ersten Totenjahr werden als besonders aktive Wiedergänger gesehen, die einer hohe Aufmerksamkeit durch Opfergaben bedürfen.

Auch Kerzenlicht spielt eine große Rolle in aller Welt, um den Toten den Weg zu weisen und ein Gegengewicht zur ewigen Dunkelheit zu bieten.

Amerikanische Totenfeste

Die Totenfeste in Amerika gründen in uralten indigenen Bräuchen, wie sie bereits die Inkas und Azteken praktizierten.

Vor allem in Mexiko und Bolivien ist das kulturelle Erbe deutlich sichtbar und der Volksglaube konnte das überlieferte Wissen bis in die Gegenwart wahren. Erstaunlich ist, dass bereits vor der europäischen Kolonialisierung des Amerikanischen Kontinents deutliche Überschneidungen von Totenbräuchen bestehen: So etwa der Glaube, dass die Toten einmal jährlich in die Welt der Lebenden treten und äußerst respektvoll mit weltlichen Gaben willkommen geheißen zu werden.

Dia de muertos: Mexikanisches Totenfest

Der Dia de Muertos, der Tag der Toten, ist einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage. Gefeiert wird jährlich vom 31.Oktober bis zum 2. November.

Der Ursprung des Totenfestes liegt in der Tradition präkolumbianischer indigener Kulturen, die bereits vor mindestens 3000 Jahren das Andenken an Verstorbene zelebrierten. Als direkter Vorläufer des modernen Dia de Muertos wird ein jährlich stattfindendes Azteken-Fest gesehen, das der Göttin Mictecacihuatl geweiht und in der mesoamerikanischen Kultur weit verbreitet war. Ursprünglich fiel das Totenfest in den neunten Monat des Azteken-Kalenders (etwa Anfang August). Erst durch die Spanische Kolonialisierung wurde das Datum synchronisiert mit den Daten der christlichen Feste Halloween, Allerheiligen und Allerseelen (31. Oktober – 02. November) und eine Synkretisierung mit dem Katholizismus begann.

Nach altmexikanischem Glauben ist es den Geistern der Verstorbenen einmal jährlich gestattet, das Jenseits zu verlassen und die Welt der Lebenden zu betreten.

Die Seelen kehren daraufhin zu einem ersehnten Wiedersehen zu ihren Familien zurück, solange, wie sich noch jemand an ihre Existenz erinnern kann. Das Totenfest wird daher vor allem als fröhliches Freudenfest gesehen: Das Zusammentreffen von Lebenden und Toten wird ausgelassen gefeiert mit besonderen Festmählern, Musik und Tanz, Blumenschmuck und Süßigkeiten.

Innerhalb der Häuser, aber auch an öffentlichen Plätzen, finden sich die Ofrendas (Totenaltäre und Gabentische), die mit reichlich Speisegaben, Blumen, Kerzen, Weihrauch und Erinnerungen wie Fotos der Verstorbenen geschmückt sind. Die Gaben sollen die Seelen stärken und die gemeinsame Zeit auf Erden wieder intensiv in Erinnerung rufen.

Auch die Lebenden feiern ausgelassen. Die Vorbereitungen für den Tag der Toten beginnen meist schon Mitte Oktober. Neben üppigen Speisen wird das alkoholische Getränk Pulque traditionell gereicht. Ein häufiges Symbol ist außerdem der Calavera (Schädel). Dieser ist allgegenwärtig in traditionellen Verkleidungen als Calacas (Skelett) und als Dekoration zu finden. Aber auch als Zuckerschädel ist er beliebt, eine Süßspeise, die Geistern und Lebenden zugleich gereicht wird. Weitere typische Totentags-Speisen sind süßes Eierbrot, das die Form von Schädeln oder Knochen einnimmt.

Der Stellenwert und die Ernsthaftigkeit des Festes ist traditionell hoch. In vorspanischer Zeit soll die herrschenden Azteken selbst ihren Feinden einen Ort gewährt haben, an den die Seelen der Verstorbenen zurückkehren konnten.

Dia de las Natitas: Totenfest in Bolivien

Día de las Ñatitas (Tag der Schädel) wird in den bolivianischen Anden am 8. November gefeiert. Die uralte Tradition stammt von der Inka-Kultur aus präkolumbianischer Zeit.

Die Knochen von Verstorbenen bringen dem Volksglauben nach Glück.

Sie beschützen vor Unglück und unterstützen die Lebenden in ihren Vorhaben durch jenseitige Energie. Familienmitglieder bewahren daher traditionell Schädel innerhalb des Hauses auf und schmücken sie zum Dia de la Natitas mit frischen Blumen. Ihnen wird rituell für den Schutz der Familie gedankt und Zigaretten, Alkohol oder Süßigkeiten als Dank angeboten.

Hanal Pixan: Totenfest in Belize

Der Tag der Toten wird in Belize von Nachfahren der Yucatekischen Maya gefeiert. Das Fest wird in Landessprache Hanal Pixan genannt, was “Nahrung für die Seelen” bedeutet. Altäre werden mit Speisen und Getränken sowie Süßigkeiten und Kerzen für die antreffenden Geister der Toten bestückt.

Totenfest der Irokesen

Einige native nordamerikanische Stämme wie die Irokesen, Huron, Algonquin und Ottawa hielten unregelmäßige Totenfeste etwa alle 10 oder zwölf Jahre ab, wenn die Gemeinschaft in neue Siedlungsgebiete umzog. Die bestatteten Toten wurden zu diesem Zweck ausgegraben, vom Fleisch befreit und gereinigt und in Tierfelle gebettet, um sodann im neuen Siedlungsgebiet in einem Gemeinschaftsgrab feierlichen erneut beerdigt zu werden.

Das Totenfest dauerte 10 Tage und mehrere Gemeinden nahmen daran teil und intensivierten die entfernt verwandtschaftlichen Beziehungen zu diesem Anlass. Nach Volksglauben der Stämme begleiteten die Verstorbenen die Lebenden als Schatten und die Gebeine boten Schutz vor Unheil.

 

Asiatische Totenfeste

Asiatische Totenfeste nach taoistischer, konfuzianiner und buddhistischer Tradition ähneln sich stark, weisen aber auch große Parallelen zu den Totenfesten im europäischen und mesoamerikanischen Kulturraum auf.

Gemeinsam haben alle Totenfeste den Glauben, dass die Grenze zwischen Schatten und Licht einmal jährlich verschwimmt.

Die Seelen der Verstorbenen kehren für kurze Zeit ins Diesseits zurück, um sich an den Speisen der Lebenden zu laben. Die Menschen bieten Opfergaben aus speziellen Speisen sowie Licht und Feuer als Wegweiser für die Geister. Das Licht symbolisiert das Gegengewicht aller dunklen Mächte wie Gewalt, Gier, Neid oder Leid.

Obon: Japanisches Totenfest

Obon ist ein traditionell buddhistisches Fest und dient zur Errettung der Seelen verstorbener Ahnen. Nach dem Volksglauben können Verstorbenenn einmal jährlich aus der Schattenwelt ins Diesseits zurückkehren – als Preta (Hungergeister).

Das Obon-Fest dauert traditionell drei Tage lang (um den 15. Juli). Es beinhaltet, dass die Gräber der Vorfahren aufgesucht, gesäubert und geschmückt werden.

Ursprünglich tanzte, sang oder meditierte (Nembutsu), um die Geister der Toten zu begrüßen. Daneben gibt es auch das Feuerritual Okuribi (Geleitfeuer), das die Vestorbenen willkommen heißt.

Am Butsudan (Hausaltar) und in den Tempeln werden Speisen für die Verstorbenen hinterlegt und zahlreiche Preta-Rituale vollzogen, um die hungrigen Seelen zu speisen. Gurken und Auberginen symbolisieren die Reittiere der Ahnen: Das Seelenpferd und das Seelenrind. Ersteres geleitet die Ahnen zu den Häusern ihrer Familien im Diesseits. Das langsamere Seelenrind hingegen trägt sie wieder zurück ins Jensseits.

Am letzten Abend des Obon werden beim Toro nagashi-Ritual leuchtende Laternen mit Opfergaben auf Flüssen oder dem Meer treiben gelassen, die den Seelen helfen sollen, den Weg zurück ins Jenseits zu finden. Nach traditionellem japanischem Verständnis kommt die Menschheit aus dem Wasser, so dass die Geleitfeuer der Lampions den Weg dorthin zurück repräsentieren.

Ullambana: Chinesisches Geisterfest

In China wird das Ullambana-Fest, das sogenannte Geisterfest, gefeiert.

Ullambana  bedeutet „kopfüber aufgehängt sein und leidend“ und referiert auf die Seelenqualen der Geister.

Nach chinesischem Volksglauben wird der komplette siebte Monat des Mondkalenders als Geistermonat angesehen, da in dieser Zeit die Geister der Toten aus der Unterwelt zurück in die Welt der Lebenden kommen. Mehrere Zeremonien gedenken den Hungergeistern, besonders Mutter und Vater und 7 weiteren Generationen, während des Monats, das Geisterfest Ullambana (Vollmondtag des siebten Monats, 13.-16. Tag, etwa Juli/August) gilt als Höhepunkt und Abschluss und ist eines der wichtigsten buddhistischen Feste.

Das Volk besänftigt die Toten mit speziellen Speisen (Pretaspeisung) und sogenanntem Höllengeld. Dabei handelt es sich um Brandopfer, das bereits seit dem Jahr 220 vor Christus belegt sind und die Toten davon abhalten soll, die Lebenden heimzusuchen. Höllengeld ist aus Papier und Geldscheinen nachempfunden, nach traditionellem Volksglauben können sich die Geister durch das Höllengeld von ihren Sünden freikaufen.

Zum Abschluss des chinesischen Totenfests werden Papierboote und Laternen einem fließenden Gewässer übergeben, um den Geistern und Seelen nach ihrem kurzen Besuch im Diesseits den Übergang in die Schattenwelt zu geleiten.

Tag der wandernden Seelen: Vietnam

In Vietnam heißt das Totenfest Tết Trung Nguyên, der Tag der wandernden Seelen. An jenem Tag (15. des siebten Mondmonats) öffnen sich die Pforten zur Unterwelt und alle Verstorbenen werden nach Sonnenuntergang für einige Zeit freigesetzt. Die Seelen wandern auf der Suche nach Essen und Liebe umher. Auch familienlose, obdachlose Geister können die Welt der Lebenden betreten.

Der Brauch des vietnamesischen Totenfests sieht vor, die Verstorbenen zu ehren und ihnen durch Gebete und Fürbitten zu einem besseren jeseitigen Leben zu verhelfen. Das bezieht sich nicht nur auf verstorbene Familienmitglieder, sondern auch auf vergessene, namenlose Geister. Die Toten werden an Gräbern, Familienaltären und Tempeln mit speziellen Speisen (wie Fleisch, Fisch, Reis, Mais, Salz, Bonbons und Kuchen aus Reismehl), Räucherstäbchen und verbrannten Votiv-Papieren aus Gold und Silber willkommengeheißen.

Die Vietnamesen glauben, dass der Geistermonat ein unglücksbringender Monat ist. Um Unheil zu vermeiden und die Geister milde zu stimmen, wird dazu angeraten, für ein gutes Karma zu sorgen: Achtung von Tabus, den Tod vermeiden (z.B. auch durch vegane Ernährung), Almosen stiften, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft zeigen etc.

In Thailand wird dieses Fest auch Por-Tor-Festival genannt. Als Opferspeisen sind hier vor allem rote Kuchen in Schildkrötenform beliebt.

Afrikanische Totenfeste

Famadihana: Totenfest auf Madagaskar

Das Totenfest auf Madagaskar findet im Gegensatz zu den meisten Totenfesten nicht jährlich statt, sondern in unregelmäßigen zeitlichen Abständen. Aber mindestens alle 10 Jahre zwischen Juni und September. Auslöser kann die Übertretung von sogenannten Fadys (auch Padys) sein. Die Fadys sind Verbote und heilige Tabus, die je nach Ausprägung bindend sind für Einzelpersonen oder ganze Gemeinschaften. Die Fadys können bestimmte Nahrungsmittel, Pflanzen, Tiere, Orte und soziale Verhaltens- und Lebensweisen betreffen. Missachtung der Fadys können Unglück in Familien und Dorfgemeinschaften auslösen.

Die razzana, die Ahnengeister, vermitteln zwischen Menschen und Gott. Eine rituelle Umbettung der Toten (Totenwendungsfest Famadihana) kann die Ahnengeister besänftigen. Notwendigkeit und Zeitpunkt bestimmt der sogenannte Ombiasy, eine Art Schamane, indem er die Fadys und die Gemeinschaft analysiert und mit den razzana spirituell Kontakt aufnimmt.

Zur Famadihana wird die Familiengruft geöffnet und die Gebeine der Ahnen einzeln hervorgeholt. Zur Identifizierung werden die Leichentücher mit den Namen der Verstorbenen gekennzeichnet. Die Ahnen werden auf Bastmatten ins Freie getragen und durch die Familie herzlich begrüßt. Das Wiedersehen wird mit einem üppigem Festmahl und viel Toaka Gasy, selbstgebrautem Rum, gefeiert. Die Toten erfahren wichtige Neuigkeiten wie Hochzeiten und Geburten und Kinder lernen ihre frühesten Vorfahren persönlich kennen. Schließlich werden die Gebeine neu eingekleidet in Leichentücher aus kostbaren Seidenstoffen und wieder begraben.

Das Totenfest auf Madagaskar ist für die Gemeinschaften sehr kostspielig, sodass sich Familien oftmals Verschulden. Denn neben der Familie wird die gesamte Dorfgemeinschaft eingeladen und verköstigt. Daneben sind Bau und Instandhaltung der Familiengruften mit den Kosten eines Wohnhauses vergleichbar.

Madagaskar ist das Land mit der weltweit höchsten Pestrate. Das Totenfest Famadihana gilt als Gesundheitsrisiko, da es immer wieder als Auslöser der Pest in Verbindung gebracht wird.

Comment (1)

  1. Maria 1 Woche vor

    Super erkenntnisreicher Artikel! Hätte nie gedacht, dass Halloween so tiefreichende Wurzeln hat. Man lernt wohl nie aus 😉

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