Vorahnungen – wie entstehen sie?

Vorahnungen – wie entstehen sie?
31. August 2016 Vooja

VOOJA WISSEN

Vorahnungen, die sich bewahrheiten: Dieses Phänomen kommt immer wieder vor und sorgt bei der betreffenden Person für unterschiedlichste und meist intensive Gefühle. Doch was genau sind Vorahnungen und wie entstehen sie? Diesen Fragen möchten wir uns annähern in einem parawissenschaftlichen Erklärungsversuch.

Eine Vorahnung kommt oft plötzlich und löst intensive Gefühle aus

Eine Vorahnung kommt oft plötzlich und löst intensive Gefühle aus

Vorahnungen – Ein globales und zeitloses Phänomen

Menschen, die Vorahnungen von Ereignissen in der Zukunft hatten, gab es schon immer.

Überall auf der Welt und in allen Kulturen findet man erstaunlich ähnliche Berichte darüber. Theorien über die Entstehung von Vorahnungen sind zahlreich: Religiöse Ansätze, Volksglauben und Parawissenschaften bieten unterschiedliche Erklärungen für die gleichen Phänomene an.

Allerdings gilt keine der Theorien als wissenschaftlich belegt, da die Nachweisbarkeit des Phänomens mit den derzeitig zur Verfügung stehenden Forschungsmethoden nicht gegeben ist. Zu spontan treten die Vorahnungen auf und geben doch nur ein vages Gefühl von subjektiv bedeutsamen Ereignissen in der Zukunft. Dies bedeutet jedoch nicht die grundsätzliche Verneinung von Vorahnungen, sondern nur die begrenzten Mittel zur Evaluierung. Schon Friedrich Nietzsche (1844-1900) merkte an, dass der beschränkte Erkenntnisapparat des Menschen die Wirklichkeit nicht erfassen könne. Und auch Shakespear (1564-1616) lässt in Hamlet verlauten: Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt.

Die Vorahnung der Zukunft hat in der Folklore viele Namen: Hellsichtigkeit, zweites Gesicht, Wahrtraum, Zukunftsvisionen, selbst Déjà-vus gehören mitunter dieser Riege an. Dabei gibt es einen qualitativen Unterschied zwischen intuitiver Vorahnung und der Vorahnung im eigentlichen Sinne.

Intuitive Vorahnungen

Als intuitive Vorahnung kann beispielsweise das Vorwissen über einen Anrufer sein, sobald das Telefon klingelt.

(Hier gilt jedoch zu unterscheiden, ob es sich um ein Vorahnen oder um ein telepathisches Phänomen handelt.) Auch alte Redensarten wie Wenn man vom Teufel spricht beziehen sich auf die intuitive Vorahnung: Man denkt oder spricht von einer Person, die sodann wie zufällig in Erscheinung tritt.

Die intuitive Vorahnung tritt spontan auf und gibt ein Vorgefühl, das Erstaunen hervorruft und durchaus positiv besetzt sein kann: Etwa bei Wettspielen oder Entscheidungen kann sie – als Bauchgefühl bekannt – hilfreich und wegweisend sein.

Intuitive Vorahnungen unterscheiden sich von echten Visionen im eigentlichen Sinne

Intuitive Vorahnungen unterscheiden sich von echten Visionen im eigentlichen Sinne

Vorahnungen im eigentlichen Sinne

Die Vorahnung im eigentlichen Sinne kündigt hingegen ein zumeist tiefemotionales Ereignis in der Zukunft an, das den Betroffenen in eine Krisensituation stürzt: Ein Unglück, ein Verlust, eine einschneidende Lebensveränderung mit weitreichenden Auswirkungen. Visionen zeigen sich stets vage in ihrer Aussagekraft, sind dafür aber umso stärker in ihrer Bildgewalt oder Emotionalität. Häufig ist es ein unangenehmes, starkes Gefühl von innerer Unruhe, Angst und Schrecken, das nicht konkret benannt und zugeordnet werden kann. Bisweilen können die Zukunftsvisionen eine Nervosität auslösen, die sich deutlich auf das Schlafverhalten auswirkt: Der Schlaf ist unruhig und fahrig, bisweilen kann auch Schlafwandeln beobachtet werden. Vorahnungen äußern sich nicht selten in Traumsequenzen: Bilder und Gefühle vermischen sich dabei zu vagen Traumfragmenten, deren Nachwirken noch am Tage spürbar ist.

Eines ist jedoch allen Vorahnungen gemein: Der Betroffene fühlt sich hilflos ausgeliefert, die Vorahnung ereilt ihn unerwartet und entzieht sich jeglicher Kontrolle.

Er ist ohnmächtig, sie zu deuten und kann dem zukünftigen Geschehnis nicht entgegenwirken. Das Gefühl der bevorstehenden Bedrohung löst im Betroffenen zumeist einen großen Leidensdruck aus. Auch die deutsche Dichterin Anette von Droste-Hülshoff (1797-1848) beschrieb in Briefen mehrmals ihr zweites Gesicht als große und schauerliche Bürde. Sie erahnte Todesfälle in ihrem Umfeld, die sie sehr bedrückten und fühlte sich den Visionen hilflos ausgeliefert. Nach ihrer Erfüllung wird die Prophezeiung schließlich als wegweisendes A-Ha Erlebnis empfunden. Die Zusammenhänge der Vorhersehung erscheinen auf einmal klar, das Gefühl der Unruhe schwindet.

Die urtümliche Sprache der Vorahnungen

Ein philosophischer Ansatz erklärt die gefühlsbetonte Bildsprache der Vorahnungen wie folgt: Der heutige Mensch ordnet die Welt in Sprache. Alles wird in ein Raster aus Begriffen gepresst, das sich stets zwischen zwei Polen bewegt: Gut und Böse, Groß und Klein etc. Der Frühmensch dachte nicht in Begriffen, vielmehr begriff er seine Umgebung – mit den Sinnen. Er ordnete die Welt durch Berührung, Geruch, Töne und vor allem durch Bilder und Gefühle. Diese verband er zu positiven und negativen Erfahrungen. In niedrigen Bewusstseinszuständen wie in Trance oder im Traum sind diese präkognitiven Denkstrukturen zum Teil erhalten und auch in Vorahnungen greift der Mensch auf diese Urstrukturen zurück, die auch Kleinkindern und Tieren zu eigen sind.

Dieser Theorie zufolge sind prinzipiell alle Menschen fähig, Vorahnungen wahrnehmen zu können.

Allerdings scheint es, dass das Gespür unterschiedlich ausgeprägt ist. Dies kann mehrere Gründe haben: Einmal ist der Instinkt mehr oder weniger stark ausgeprägt. Daneben gibt es Menschen, die sich dem Übersinnlichen mehr öffnen. Besonders im Westen werden die Menschen darauf getrimmt, rational zu sein und sich gegenüber dem Mystischen zu verschließen. Das mythische verliert an Bedeutung und so auch die Akzeptanz und Wahrnehmung unerklärlicher Phänomene.

Sicher wirkt sich auch die subjektive Einschätzung einer Begebenheit aus: Je intensiver ein Unglück auf die betreffende Person wirkt, desto eher wird ein Vorahnung wahrgenommen. Was uns komplett aus der Bahn wirft, wirft weite Schatten.

Vorahnungen und Visionen deuten

Aufgrund der Sprache der Vorahnungen ist es schwierig, sie zu deuten, da wir gelernt haben, unsere Wahrnehmungswelt stets an ein bestimmtes Erfahrungsdenken zu knüpfen.

Wir ordnen die Welt nach gelernten Maßstäben innerhalb unserer Sprache, wir benennen sie, setzen Eindrücke in Relation zueinander und messen ihnen einen Wert bei. Der einzelne Sinneseindruck wird nicht einfach als das, was er ist und als was er sich unmittelbar gibt, hingenommen, so Ernst Cassierer in „Philosophie der symbolischen Formen II. Das mythische Denken“. Viel mehr wird er im Geiste zergliedert und in die Welt des logischen Erfahrungsdenkens eingeordnet. Einfacher ausgedrückt: Die Logik des erwachsenen Menschen sperrt sich gegen Eindrücke, die nicht in das gelernte Raster passen. Daher können präkognitive Wahrnehmungen vom kognitiven Geist nur auf der emotionalen Ebene antizipiert werden, nicht auf der rationalen Ebene. Die Instinkte spüren, was der Geist nicht fassen kann.

Die Entstehung von Vorahnungen und Vorhersagen

Erklärungsversuche zu Vorahnungen gibt es viele: Von mystischen Warnungen aus der Jenseitswelt bis hin zu psychologischen Ursachen reicht das Spektrum der Deutungen. Ein physikalischer Ansatz vermutet, dass bedeutsame Ereignisse messbare Schwingungen bzw. Energie ausstrahlen. Sie wirken in beide Richtungen: In die Zukunft und in die Vergangenheit. Je massiver die Auswirkungen eines Ereignisses auf den Seher einwirken, desto höher die Schwingungen und desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass diese Schwingungen wahrgenommen werden.

Erklärungsversuch: Vorahnungen sind empfangene Energien von zukünftigen Ereignissen

Erklärungsversuch: Vorahnungen sind empfangene Energien von zukünftigen Ereignissen

Abgrenzung zur Telepathie

Vor allem in abgelegenen, einsamen oder weitflächigen Gegenden kommt es immer wieder zu Beobachtungen von außergewöhnlicher Verständigung.

Vor allem Naturvölker wissen augenscheinlich von Geschehnissen, bevor sie ihnen auf üblichen Kommunikationswegen mitgeteilt werden können: Sie wissen vom Jagdglück der Jäger, kennen den Umfang der Beute, wissen den genauen Zeitpunkt ihrer Rückkehr und von eventuellen Unglücken. Auch in der modernen Gesellschaft kann man solcherlei Kommunikation beobachten, meist in Notsituationen. Oft liegt hier zugleich starke persönliche Bindung (z.B. zwischen Mutter und Kind) vor. Derartige Vorahnungen sind allerdings im Bereich Gedankenübertragung angesiedelt und können nicht mit Vorahnungen im eigentlichen Sinne gleichgesetzt werden.

Anders verhält es sich mit den beinahe romantischen Überlieferungen aus Küstendörfern, die unabhängig von Kultur und Abstammung stets homogen beschreiben, wie zurückgebliebene Frauen ein Schiffsunglück und den Tod ihrer Männer voraussahen. Inwiefern es sich um telepathische Verständigung zum Zeitpunkt des Unglücks oder um eine spürbare Vorahnung für ein zukünftiges Unglück handelt, kann an dieser Stelle jedoch nicht beantwortet werden. Beides scheint möglich.

Abgrenzung zu Instinkten im eigentlichen Sinn

Inwieweit Vorahnungen mit Instinkten einhergehen, ist bisher nicht endgültig geklärt. Es gibt Beobachtungen, dass Tiere weitreichende Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis voraussagen können – ob diese Phänomene mit Vorahnungen im eigentlichen Sinne gleichgesetzt werden können oder diese einzig mittels seismischer Schwingungen wahrgenommen werden, kann hier nicht beantwortet werden.)


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